GUERILLA: HASS MICH, ABER IGNORIER MICH NICHT – PIXAÇÃO
dass tagging in manchen ecken der welt ein mittel des klassenkampf für mutige fassadenkletterer ist, beweist das video, welches ich im wooster collective gefunden habe. extrem tagging, bei dem jugendliche ihr leben riskieren, um den namen und das logo ihrer crew in schwindel erregender höhe an hochhauswänden zu verewigen, nennt sich pixação.
die taggenden jungendlichen nennen sich selbst pichadore und kommen überwiegend aus den slums são paulos. neben dem ruhm innerhalb der szene entsteht
der gewollte nebeneffekt, reiche geschäftsleute an ihre existenz zu erinnern.
hier findet ihr einen längeren artikel über pixação



Ben:
16. Mai 2009 at 20:35
Sorry, find ich voll Atze. Coole und schöne Streetart ist was tolles, aber das hat “nichts” mit Streetart zu tun. Schon allein weil es sich dabei um hässliche Gangtags handelt, welche jedes Kind an die Wand schmieren kann. Wie man seine Stadt so verschandeln kann, bleibt mir ein Rätsel.
“Hass mich, aber ignorier mich nicht”
Ich würde sagen das es sich nicht lohnt solche Leute zu hassen, bemittleiden wäre der Richtige Ausdruck. Sorry, aber schöne alte Fasaden, in denen viel Detail und Vergangenheit steckt, so zu verhunzen, das ist schon ne große Schande.
admin:
16. Mai 2009 at 21:50
@Ben: Habe den Eindruck, dass Du weder den Post noch den Film richtig verstanden hast.
Die Ursprünge der Straßenkunst kommen aus dem Widerstand und einer Klasse, die auf sich aufmerksam machen will.
In den Slums von Sao Paulo gibt es sicherlich größere Ungerechtigkeiten als das “Verhunzen” einer Fassade.
Ben:
17. Mai 2009 at 16:39
Das mag durchaus sein, ich habe schon verstanden um was es geht. Vandalismus ist allerdings weder Kunst noch eine Lösung. Stell dir vor, alle die sich in Deutschland von der Internet-Zensur unterdrückt und nicht gehört fühlen, würden zur Spraydose greifen und überall, auf Gebäude, Denkmäler und Co. Zeichen sprühen …
Klar, andere Länder – andere Sitten – nur sehe ich das nicht als Rechtfertigung.
admin:
18. Mai 2009 at 07:47
@Ben: Die Tatsache, dass Du den Protest gegen Missstände in Brasilien mit dem Protest gegen die Internet-Zensur vergleichst lässt mich weiterhin zweifeln ob Du den Punkt verstanden hast.
Ben:
18. Mai 2009 at 18:19
Das war ein Indirekter Vergleich – nimm etwas anderes als Aufhänger, es kommt auf das gleiche raus. Die Zeit hat oft genug gezeigt das es keine Lösung ist mit Vandalismus und Gewalt auf sich aufmerksam zu machen. Lassen wir die Gewalt mal außen vor, bleibt der Vandalismus.
Ich denke jetzt mal an die andere Seite. Versuch dich mal Objektiv hineinzudenken. Du hast ein Geschäft, frisch aufgebaut und was passiert ein paar Tage danach, deine Wände sind mit Tags besprüht. O jay – da freust du dich natürlich.
Natürlich bin ich mir über die Zustände in Brasilien im klaren, nicht nur dort gibt es massive Probleme zwischen den Schichten. Nur rechtfertigt das nicht alles. Zu sagen es wäre okay, wenn Unrecht passiert, gleiches mit Unrecht zu vergelten, das halte ich für naiv.
Unrecht ist was diesen Menschen wiederfährt und wiederfahren ist, keine Frage. Unrecht ist aber ebenso die Vorgehensweise auf sich aufmerksam zu machen. Zumal ich es eh für Kontraproduktiv halte.
Ich stelle nicht das Unrecht in Frage – sondern die Vorgehensweise. Ich wette das 90% der Slum Kids nicht das Ziel, sondern die Tat im Auge haben. Zumal du mir auch verraten wirst, wie man die “obere” Klasse trifft, wenn man Bunkerblöcke wo die Unter/Mittelschicht wohnt, mit Tags verziehrt.
Zum Vergleich bin ich jemand der gerne mal ein paar Euro springen lässt, um diese Schichten zu unterstützen, gar keine Frage. Wer das Elend sehen will, der muss nicht zwangsläufig nach Brasilien schauen, davon gibts auch bei uns genug – nicht in diesen Dimensionen das ist klar. Allerdings wäre es mit meiner Unterstützung und Sympathie ziemlich schnell vorbei, würden auch solche Aktionen hier Einzug erhalten.
Vandalismus und Gewalt – ich glaube das die Grenze von einem zum anderen nicht sehr breit ist. Ich glaube also nicht, sollte eine Gruppe von Kids ein Bürogebäude erklimmen und vom Wachdienst gefasst werden, das die anstandslos mitgehen.
GUERILLIA: URBANE AUFBAUHILFE - JAN VORMANN | Nils von Blanc:
22. Mai 2009 at 17:28
[...] durch meinen “hass mich, aber ignorier mich nicht” beitrag eine diskussion gestartet wurde, in der es unter anderem darum ging, ob streetart eine [...]
Nils von Blanc » Blog Archive » GUERILLA – CALLIGRAFFITI:
5. November 2010 at 12:19
[...] etwa einem Jahr habe ich hier einen Post über Tagging oder genauer Pixação als Mittel des Klassenkampfs in Brasilien [...]